Sibylla pretiosa – Die bizarre Schönheit aus Afrika
Die Sibylla pretiosa gehört zu den Mantiden, bei denen man zweimal hinschauen muss. Ihr schlanker Körper, die langen Beine und ihre außergewöhnliche Form lassen sie zwischen Ästen und Blättern beinahe mit ihrer Umgebung verschmelzen. Dazu kommt ihr elegantes und zugleich aufmerksames Jagdverhalten, wodurch sie im Terrarium besonders spannend zu beobachten ist.
Die Art stammt aus Afrika und bewohnt dort vor allem warme Lebensräume mit Bäumen und Sträuchern. Statt regungslos am Boden zu warten, hält sie sich bevorzugt erhöht in der Vegetation auf. Deshalb solltest du ihr auch im Terrarium viele Äste und Pflanzen als Kletter- und Laufflächen anbieten.
Besonders interessant ist außerdem, wie sich ihre Ansprüche während der Entwicklung verändern. Junge Larven mögen es etwas kühler und feuchter, während ältere Tiere deutlich mehr Wärme vertragen.
Eine Mantis mit außergewöhnlicher Tarnung
Die Körperform von Sibylla pretiosa unterscheidet sich deutlich von vielen klassischen Mantiden. Der schlanke Körper und die langen Gliedmaßen lösen ihre Konturen optisch auf, sodass sie zwischen dünnen Ästen und Pflanzen nur schwer zu erkennen ist.
Gleichzeitig kann sich die Art sehr schnell bewegen. Vor allem adulte Tiere überraschen mit ihrer Geschwindigkeit, während ausgewachsene Männchen zusätzlich sehr flugfreudig sein können.
Genau diese Mischung aus Tarnung, Eleganz und plötzlicher Bewegung macht die Art so interessant.
Haltung verändert sich mit dem Alter
Bei Sibylla pretiosa solltest du das Klima an das jeweilige Larvenstadium anpassen. Gerade junge Tiere reagieren empfindlich auf zu hohe Temperaturen.
Als Richtwerte empfehlen wir:
- L1/2: 23–25 °C und 60–75 % Luftfeuchtigkeit
- L3/4: 25–27 °C und 60–75 % Luftfeuchtigkeit
- L5/6: 26–29 °C und 60–70 % Luftfeuchtigkeit
- L7/8: 26–31 °C und 55–70 % Luftfeuchtigkeit
Besonders wichtig: Jungtiere in L1/2 sollten nicht dauerhaft Temperaturen über 27 °C ausgesetzt werden, da sie darauf sehr empfindlich reagieren können.
Außerdem sollte das Terrarium immer gut belüftet sein. Feuchtigkeit ist wichtig, allerdings darf daraus keine stehende, nasse Luft entstehen.
Schaffe verschiedene Temperaturbereiche
Statt das gesamte Terrarium gleichmäßig stark zu erwärmen, solltest du die Wärmequelle eher auf einer Seite platzieren. Dadurch entsteht eine warme Zone, während die gegenüberliegende Seite etwas kühler bleibt.
So kann sich die Sibylla pretiosa selbst den Bereich aussuchen, der ihr gerade angenehm ist. Gleichzeitig kannst du das natürliche Temperaturgefälle im Lebensraum besser nachbilden.
Leichtes Besprühen sorgt außerdem für Trinkwasser, denn die Tiere nehmen gerne Tropfen von Blättern und anderen Flächen auf.
Viel Platz für eine sichere Häutung
Wie bei anderen Mantiden ist die Einrichtung für eine erfolgreiche Häutung besonders wichtig. Sibylla pretiosa hängt sich dafür kopfüber auf und benötigt unter sich ausreichend freien Raum.
Plane deshalb mindestens die doppelte Körperlänge als freien Platz nach unten ein. Außerdem sollte die Decke oder Einrichtung genügend sichere Stellen bieten, an denen sich das Tier festhalten kann.
Äste und Pflanzen dürfen das Terrarium strukturieren, sollten jedoch nicht den kompletten Häutungsraum blockieren.
Das richtige Futter in jeder Entwicklungsphase
Auch die Größe der Futtertiere verändert sich mit dem Wachstum. Kleine Larven benötigen entsprechend kleine und gut erreichbare Beute, während ältere Tiere größere Futtertiere überwältigen können.
Bewährt haben sich:
- L1/2: Drosophila melanogaster und Drosophila hydei
- L3/4: Drosophila hydei und Ofenfischchen
- L5/6: Goldfliegen und Ofenfischchen
- L7/8: Schmeißfliegen und Schaben
Grundsätzlich nimmt Sibylla pretiosa auch Schaben an. Bei befruchteten adulten Weibchen empfehlen wir jedoch bevorzugt Fliegen. Damit haben wir bei der Bildung schöner und gut aufgebauter Ootheken die besseren Erfahrungen gemacht.
Gruppenhaltung nur mit Bedacht
Junge Sibylla pretiosa können zunächst gemeinsam aufgezogen werden, sofern genügend Platz und vor allem ausreichend Futter vorhanden sind.
Ab dem präsubadulten Stadium empfehlen wir jedoch, die Weibchen zu trennen, weil das Risiko für Kannibalismus steigt. Männchen können dagegen auch später noch gemeinsam gehalten werden, sofern die Bedingungen stimmen.
Gerade bei einer Gruppenaufzucht solltest du die Tiere trotzdem regelmäßig beobachten, denn Mantiden bleiben Jäger und einzelne Tiere können sich unterschiedlich entwickeln.
Zucht und Paarung
Die Zucht von Sibylla pretiosa ist besonders spannend. Weibchen können ungefähr alle 7 Tage eine Oothek ablegen. Dabei entstehen auch ohne vorherige Paarung Ootheken, allerdings schlüpfen natürlich nur aus befruchteten Ootheken Jungtiere.
Für eine Paarung sollte das Weibchen gut genährt sein. Wir empfehlen die Verpaarung des Weibchens etwa 3–4 Wochen nach der Adulthäutung. Das Männchen kann dagegen bereits ungefähr 2–3 Wochen nach seiner Adulthäutung eingesetzt werden.
Ein interessantes Verhalten zeigt das Männchen kurz vor der Paarung. Hat es das Weibchen erkannt, beginnen seine Fühler häufig deutlich stärker zu zittern.
Die gesamte Paarung kann etwa 4–5 Stunden dauern, während die eigentliche Kopulation meist ungefähr 30–60 Minuten in Anspruch nimmt.
Von der Oothek zur nächsten Generation
Die Weibchen befestigen ihre Ootheken gerne an der Unterseite von Blättern oder an anderen eher flachen Flächen.
Für die Ootheken eignen sich etwa 25–29 °C bei 60–70 % Luftfeuchtigkeit. Gleichzeitig ist eine gute Belüftung wichtig, damit keine dauerhaft stehende Feuchtigkeit entsteht.
Je nach Temperatur schlüpfen die Jungtiere nach ungefähr 4–6 Wochen. Aus einer gut entwickelten und befruchteten Oothek können etwa 25–40 Jungtiere schlüpfen.
Danach beginnt der Lebenszyklus erneut, wobei die frisch geschlüpften Larven wieder etwas kühler gehalten werden sollten.
Vorteile auf einen Blick
- Außergewöhnliche afrikanische Mantis
- Sehr besondere Körperform und Tarnung
- Spannendes Jagdverhalten
- Adulte Männchen sind flugfreudig
- Jungtiere können zunächst gemeinsam aufgezogen werden
- Interessante Farb- und Körperentwicklung
- Weibchen bilden regelmäßig Ootheken
- Etwa 25–40 Jungtiere pro befruchteter Oothek möglich
- Spannende Art für Zuchtprojekte
- Besonders interessant für erfahrenere Mantidenhalter
Passendes Zubehör für dein Setup
Mantiden Terrarium Komplettset– bietet viel Sichtfläche und ausreichend Möglichkeiten für eine strukturierte Einrichtung.
Passendes Futtertier – ermöglicht dir die Auswahl der richtigen Futtergröße für das jeweilige Larvenstadium.
Repto Baumrebe – schafft zusätzliche Struktur und natürliche Kletterflächen im Terrarium.
Hobby Hängepflanze Heartleaf – bietet Deckung und zusätzliche Flächen zum Klettern und Häuten.
Insektenliebe Hygro-Therm – überwacht Temperatur und Luftfeuchtigkeit zuverlässig.
Repto Flat LED – sorgt für eine helle Ausleuchtung des Terrariums.
Fazit
Sibylla pretiosa ist keine gewöhnliche Mantis. Ihre bizarre Körperform, ihre hervorragende Tarnung und ihre schnellen Bewegungen machen sie zu einer Art, bei der es im Terrarium ständig etwas zu entdecken gibt.
Besonders spannend ist ihre Entwicklung, denn mit zunehmendem Alter verändern sich sowohl Futtergröße als auch die passenden Klimawerte. Wer diese Unterschiede berücksichtigt, für gute Belüftung sorgt und ausreichend Platz für die Häutung bietet, bekommt eine außergewöhnliche afrikanische Mantidenart, die sowohl bei der Haltung als auch bei der Zucht begeistert.
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