Eine erfolgreiche Haltung beginnt mit einem gut durchdachten Bodengrund. Und was das Terrarium-Substrat oder das Substrat in anderen Aufzuchtbehältern angeht, gibt es viel mehr zu beachten, als man glauben mag. Dass man relativ hochwertige Terrarienerde kaufen kann, ist kein Geheimnis. Dennoch tun das die wenigsten. Auch das allein wäre noch kein Problem, wenn man zur Haltung seiner Haustiere eine günstige Erde verwendet und diese bevor man sie einsetzt sterilisiert und mit unterschiedlichen Helfern animpft. Doch dieser Rat ist eine jener Weisheiten, die gern ignoriert wird. Warum ist das so?
„Nun in der Natur wachsen und vermehren sich die Tiere auch, selbstverständlich ohne spezielle sterilisierte und angeimpfte Erde“, ist oft die gängige Meinung. Auch hier gilt: „Versuch macht klug“ und jeder Terrarianer, dessen Bodengrund schon einmal von wuchsfreudigem Schimmel oder einer Masse an hungrigen Milben verdorben wurde, wird von da an mit Freude seine Terrarienerde sterilisieren und animpfen.
Warum man Terrarienerde sterilisieren sollte
Auch ich musste lernen, dass es keine gute Idee ist, einfach Erde aus dem Wald oder dem Gartencenter zu nehmen. Es hat Wochen gedauert, die Trauermücken-Invasion einzudämmen und all meine tollen Terrarienpflanzen sind durch den Wurzelfraß der Mückenlarven eingegangen. In der freien Natur machen ein paar Trauermücken (Sciaridae) nichts aus: im Gegenteil! Die Tiere sind sogar nützlich. Ihre Larven fressen totes Laub und andere abgestorbene Pflanzenteile, die auf die Erde fallen. Doch Trauermücken breiten sich rasend schnell im Terrarium aus und zerstören sehr schnell die Idylle beim Blick in das Terrarium.
Wenn du Erde aus der freien Natur oder günstige und darum oft schlecht gelagerte Erde nutzt, um deine Terrarien zu füllen, kann es sein, dass du dir damit ein ganzes Gelege an unterschiedlichen unerwünschten Bewohnern in dein Terrarium holst.
Trauermücken, Blattläuse, Spinnen oder Spinnmilben, die in der freien Natur schlüpfen, sind grundsätzlich kein Problem. Sie haben Fressfeinde, viel Platz und ausreichend Nahrung. Sie verteilen sich und werden im Normalfall nicht zur Plage, sondern nehmen ihre gegebene Rolle im Ökosystem ein.
Im Terrarium sieht die Situation aber ganz anders aus: Dort gibt es keinen funktionierenden Kreislauf. Es gibt keine Konkurrenz und kaum Nahrung, abgesehen von deinen Terrarienpflanzen und deinen Insassen. Du hast ein Habitat geschaffen, das nicht im Gleichgewicht ist, und die eingeschleppten Lebewesen werden deinem liebevoll eingerichteten Terrarium gehörig zusetzen.
Sterilisierte Walderde ist hier die Lösung. Dein Terrarium hat einen stressfreien Start und es können somit tolle Tiere und Pflanzen heranwachsen.
Wie man Terrarienerde sterilisiert
Wenn du also billige Erde aus dem Supermarkt oder alte Erde aus einem Terrarium verwenden möchtest, ist das prinzipiell kein Problem, wenn du vorher potenzielle Schädlinge und bereits existente Schimmelsporen vorher abtötest.
An billiger Discounter-Erde ist nichts verkehrt, solange sie nicht gedüngt ist und mit etwas weißfaulem Holz und Laub aufgewertet wird.
Waldhumus
Weißfaules Holz
Sogenannter Kokoshumus, der einfach nur das geschredderte, ungenießbare Fruchtfleisch (Mesokarp) der Kokospalmenfrucht ist, eignet sich nicht für den Aufbau eines lebenden Terrarium-Substrats. Es fehlen sämtliche Inhaltsstoffe wie Laub, Totholz und andere organische Materialien, die alle Erst- und Zweitzersetzer als Nahrung benötigen. Selbst wenn man dieses Substrat aufpeppt, besteht für viele Asselarten (Isopoda) die Gefahr von Verdauungsstörungen durch die aufgenommenen Kokosfasern.
Erde zu sterilisieren funktioniert am besten mit Hitze. Das kann entweder im Backofen oder noch schneller in der Mikrowelle erreicht werden.
In der Mikrowelle sollten 5 Minuten auf der höchsten Stufe genügen. Bei der Hälfte der Zeit solltest du die Erde mal umrühren.
Im Ofen brauchst du etwas länger. Ein bis zwei Kuchenbleche voll Erde sollten für 20 Minuten bei 200 °C in den vorgeheizten Ofen. Lass die Erde hinterher komplett ausdampfen und auskühlen bevor du sie in das Terrarium gibst.
Es kann gut sein, dass nach dem Erhitzen einige weiße Partikel zum Vorschein kommen, die man vorher nicht sehen konnte. Das sind Insekten wie Milben oder Larven und Würmer. Sie bestehen größtenteils aus Eiweiß, welches in der Hitze gerinnt und sich dabei weiß verfärbt.


Bodenpolizei- Starter für ein biologisches Terrarium
Gesundheitspolizei
Waldhumus
Terrarium-Substrat animpfen
Nach dem Sterilisieren haben wir die perfekte Basis um genau die Destruenten in das Substrat zu geben, die dafür sorgen sollen, dass wir einen hygienischen Bodengrund und somit eine gesunde Basis für unsere Terrarienbewohner schaffen.
Die Destruenten sollen tote Pflanzen,Tiermaterialien wie Häutungsreste, Kot, tote Futtertiere, Pilze und sogar Schimmel fressen. Gleichzeitig verhindert man ganz natürlich die Milbenbildung, die sehr schnell zum Problem werden kann.
Bevor man das Terrarium-Substrat mit Helfern animpft, sollte man sich überlegen, welche Tiere man dafür einsetzt und welche Bedingungen sie benötigen. Die Grundausstattung der Bodenpolizei sollten immer aus weißen Asseln (Trichorhina tomentosa) und Springschwänzen (Collembola) gehören.


Die meisten Asseln sind Pflanzenfresser und zählen somit biologisch zu den Erstzersetzern. Weiße Asseln halten sich vor allem im Bodengrund auf und wühlen diesen regelrecht auf der Suche nach Nahrung durch. Dadurch kommt Luft an das Terrarium-Substrat und auf den ersten Blick nicht sichtbare Keimherde werden beseitigt. Asseln gehören zur Klasse der höhere Krebse (Malacostraca) und benötigen mindestens eine feuchte Ecke im Terrarium um ihren Feuchtigkeitsbedarf zu decken.

Springschwänze gehören zu den Zweitzersetzern und ernähren sich unter anderem vom Kot der Asseln. Dadurch perfektionieren sie den natürlichen Kreislauf im Bodengrund. Im Gegensatz zu den Asseln machen sie auch vor Schimmel keinen Halt und fressen diesen komplett auf. Somit hat man mit ihnen die komplette Wunschliste der Dinge, die man nicht im Terrarium haben möchte, beseitigt. Auch sie benötigen mindestens eine feuchte Ecke im Terrarium.


Je nach Bedarf kann man jetzt noch eine weitere Asselart als Bodenpolizei einsetzen. Sei es, weil die eigentlichen Insassen durch ihren schnellen Stoffwechsel viel Futter benötigen und dadurch sehr viel Unrat verursachen, oder weil es einfach schön ist, eine gut sichtbare Assel am Bodengrund zu halten und somit ein Flair eines Gesellschaftsterrariums bekommt.
Titelfoto: © Eike Kilian Mehl
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