Flake Soil: Was kann das japanische Wundersubstrat?

Weissfaules Holz, Flake Soil

Flake Soil als Bodensubstrat wird zurzeit kontrovers diskutiert. Viele sind sich unsicher, ob das japanische Wundersubstrat für ihre Pfleglinge mehr Vorteile oder Nachteile mit sich bringt. In diesem Artikel beleuchten wir das japanische Wundersubstrat und decken die Licht- und Schattenseiten auf.

Flake Soil im Terrarium – mit Waldhumus und weißfaulem Holz fing alles an

Der Waldboden besteht aus unterschiedlichen Deckschichten mit verschiedenen Zersetzungsgraden. Hier sind Bakterien, Fadenwürmer, Hornmilben, Weißwürmer, Regenwürmer, Doppelfüßer, Pseudoskorpione, Insektenlarven, Asseln und Tausendfüßer nicht nur zu Hause, sondern haben sich auch perfekt an die Bedingungen angepasst. Der Waldboden ist ein komplexer Lebensraum und weit mehr als nur Erde. Darin leben unzählige verschiedene Arten, sodass es nicht möglich ist, sie alle zu beschreiben. In einer Hand voll Boden gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf der gesamten Erde. Darüber hinaus sind längst nicht alle erforscht. Sie tragen keine Namen, sind weiße Flecken auf der Landkarte der Artenvielfalt.

Waldboden

In diesen Waldschichten leben zudem Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Algen. Sie alle tragen dazu bei, dass es im Ökosystem Wald keine unverwertbaren Produkte gibt. Jeder der sich mit den Erstzersetzern beschäftigt, sie hält, pflegt oder züchtet, simulieret diese Bedingungen, um den Tieren eine natürliche Umgebung zu bieten. Die Hauptbestandteile dieser Nachbildung bestehen aus: Waldhumus, weißfaulem Holz und Laub.

Die Geburtsstunde des Flake Soil

Dies war die Regel bis man feststellte, dass gewisse Substanzen wie Lignin durch Bakterien weitaus besser abgebaut werden als durch Weißfäulepilze. Die Bakterien schonen beim Abbau, im Gegensatz zum Weißfäulepilz, die Cellulose, welche für die Erstzersetzer einen wichtigen Energielieferanten darstellt. Dadurch lässt sich das Wachstum der Erstzersetzer beschleunigen.

In Japan ist die Züchtung von Käfern ein weit verbreitetes Hobby. Käfer gelten dort als optimale Haustiere. Sie benötigen wenig Platz, wenig Zuwendung und bestechen durch außergewöhnliche Farben und beeindruckende Formen. Da die Käferhaltung in Japan ebenfalls eine weitreichende Tradition vorweisen kann, entstanden dort regelrechte Wettbewerbe. In diesen werden Gewinner ermittelt, die die schwersten Käferlarven auf die Waage bringen. Dadurch werden nicht nur ständig die Haltungsparameter optimiert, sondern vor allem die Qualität der Ernährung.

Weißfaules Holz ist zeitintensiv

Lange war weißfaules Holz das Haupt- und Standardfutter für alle Käferzüchter. Als Weißfäule wird der Prozess des Ligninabbaus im Holz durch Pilze bezeichnet. Lignin ist ein natürliches Polymer und sorgt in Pflanzenzellen für eine Verholzung, gibt ihr Stabilität und schützt die Pflanze gleichzeitig vor Mikroorganismen. Um weißfaules Holz herzustellen, benötigt man frisch geschlagenes Laubholz und Weißfäulepilze zum Animpfen. Die Zersetzung kann bis zu drei Jahre dauern. Schreddert man das Laubholz vorher, lässt sich der Vorgang etwas beschleunigen, allerdings bleibt er zeit- und platzintensiv. Weißfaules Holz im Wald sammeln ist übrigens keine Option! Zum einen ist es verboten und es drohen hohe Bußgelder und zum anderen benötigt der Wald das Totholz. Durch den neu entstehenden Humus schützt das weißfaule Holz den Wald vor dem Austrocknen. Nicht zuletzt bietet es gleichzeitig einen natürlichen Lebensraum für viele Arten.

Flake Soil ist nachhaltig und günstiger

Zum Herstellen von Flake Soil werden Laubholzspäne, Weizenkleie, Bakterien zum Animpfen und Wasser benötigt. Der Reifungsprozess dauert vier Monate und ist dadurch um ein vielfaches schneller als die Herstellung von weißfaulem Holz. Dadurch ist Flake Soil auch kostengünstiger als weißfaules Holz. Die Laubholzspäne sind ein Abfallprodukt vieler Sägewerke, somit nachhaltig und schonend für unsere Wälder. Wir verwenden ausschließlich Buchenlaubspäne, die mit einem FSC-Siegel gekennzeichnet sind. Greenpeace empfiehlt den Kauf von FSC-zertifizierten Holzprodukten, welche sie, als aktives FSC-Mitglied dauerhaft versuchen zu verbessern.

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Unsere Erfahrungen mit Flake Soil

Bei unseren ersten Testläufen mit Flake Soil im Terrarium haben wir uns auf je eine Tierart beschränkt. Unsere Auswahl fiel bei den Asseln auf Porcellio silvestri, bei den Tausendfüßer auf Centrobolus spec. “Mosambik” und bei unseren Schaben auf Therea regularis. Dabei haben wir stetig zwei Zuchtboxen pro Art, mit der gleichen Anzahl an Tieren, miteinander verglichen. In der einen Zuchtbox wurden Waldlaubhumus, weißfaules Holz und Laub, in der anderen Flake Soil und Laub als Zuchtsubstrat ausgewählt. Die Vergleichszeit der Boxen betrug ein Jahr und die Unterschiede waren deutlich erkennbar!

Die Vermehrungsrate bei Porcellio silvestri war deutlich höher mit Flake Soil und Laub, als auf dem herkömmlichen Zuchtsubstrat mit weißfaulem Holz. Ohne die Tiere einzeln zu zählen, ließen sich in der Box mit dem Flakesoil Substrat ca. 50% mehr Tiere finden.

Unsere Centrobolus spec. “Mosambik” wuchsen schneller und kräftiger mit Flake Soil und Laub als mit Waldlaubhumus, weißfaulem Holz und Laub. Auf die Vermehrung konnten wir bisher noch keine Rückschlüsse ziehen, da die Dauer des Tests zu kurz für den Vermehrungsprozess war.

Bei Therea regularis konnten wir eine enorme Steigerung der Vermehrungsrate und eine Verkürzung der Entwicklungszeit feststellen. Wir bekamen deutlich größere adulte Tiere mit Flake Soil und Laub. Auch das Verhalten der Tiere hat sich dadurch verändert. Die Therea regularis Nymphen liegen quasi im Flake Soil und bewegen sich kaum noch. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie genügend Nahrung in ihrer ummittelbaren Umgebung finden können.

Therea regularis Flake Soil

Nach unserem Test haben wir alle Zuchtboxen, bei denen wir eine höhere Nachwuchsrate benötigen auf das Substrat mit Flake Soil und Laub umgestellt. Erwähnenswert ist dabei noch, dass auch unser Laub vor der Verfütterung vorfermentiert wurde.

Schattenseiten und Nebeneffekte von Flake Soil

Aufgrund dessen, dass Flake Soil ein sehr lockeres Substrat ist, trocknet es auch schneller aus. Daher sollte man vor allem am Anfang darauf achten, dass es nicht austrocknet. Mit der Zeit findet man jedoch den richtigen Rhythmus und die perfekte Wassermenge.

Flake Soil wirkt Wunder bei der Tierzucht, das bringt jedoch auch den Nachteil mit sich, dass Eindringlinge wie Milben oder Trauerfliegen prächtig in dem Substrat gedeihen. Besonders deshalb solltet ihr darauf achten, kein unbehandeltes Material aus der Natur in eure Terrarien oder Zuchtboxen einzusetzen. Sonst stehen eure Tierchen bald nicht mehr alleine da.

Manchmal reagiert das Flake Soil mit dem Laub und es entsteht ein Myzel auf dem Substrat. Es handelt sich dabei nicht um Schimmel, sondern um fadenförmige Zellen eines Pilzes. Da sollte man nicht in Panik verfallen, sondern sich lieber freuen. Die Tiere fressen das Myzel und gedeihen prächtig. Dabei entsteht auch keine Wärmebildung im Bodengrund.

Assel Flake Soil

Auch wenn Flake Soil eine eher unkonventionelle Alternative zu unserem natürlichen, weißfaulem Holz ist, haben wir mit großer Freude gesunde und kräftigere Tiere züchten können. Für unsere Zucht werden wir deshalb auch in Zukunft nicht auf Flake Soil verzichten. Es sollte jedoch noch gesagt sein, dass bei selbstgemischtem Flake Soil eine Hitzeentwicklung entstehen kann, falls es nicht richtig abgelagert wurde und der Fermentierungsprozess noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Wir haben generell nie eine Hitzeentwicklung im Substrat feststellen können, da wir immer gut abgelagertes Flake Soil verwenden. Bei nicht fertig fermentiertem Flake Soil besteht aber das Risiko, dass es im Terrarium weiter fermentiert und sich dabei Hitze bis 60 °C entwickeln kann. Aus diesem Grund achtet bitte auf die Farbe des Flake Soils. Solange es dunkel und erdig aussieht, könnt ihr aber davon ausgehen, dass ihr nichts zu befürchten habt!

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