In einem kleinen, ruhigen Wohnviertel, das deinem vielleicht gar nicht so unähnlich war, lebte ein fröhlicher Junge namens Max. Max war acht Jahre alt und hatte einen großen Garten hinter dem Haus. Früher war dieser Garten ein wildes Paradies gewesen: voller Blumen, summender Insekten und Sträucher, die perfekte Verstecke boten.
Doch mit der Zeit hatten Max’ Eltern den Garten „ordentlicher“ gemacht. Die wilden Sträucher verschwanden, stattdessen kamen perfekt geschnittene Büsche. Der Rasen war kurz wie ein grüner Teppich, denn Robbie, der kleine Mähroboter, zog unermüdlich seine Bahnen. Bunte Blumentöpfe standen überall – hübsch, aber seltsam leblos.
Eines Nachmittags, als die Kinder Eis schleckten, bemerkte Lina plötzlich: „Es ist so… still.“ Max nickte. „Früher hat es hier überall gesummt.“ Alle spürten: Etwas fehlte.
Am nächsten Tag kamen Max, Lina, Tom und Sophie ausgerüstet zurück in den Garten – Max mit einer Lupe, Lina mit einem Naturführer, Tom mit einem Schmetterlingsnetz und Sophie mit ihrer Neugier.
Sie schlichen durchs Gras, bis Max eine einzige müde Biene bemerkte, die auf einer Geranie saß. „Hallo, kleine Biene“, flüsterte er. „Warum bist du so traurig?“ Die Biene summte schwach. „Euer Garten sieht bunt aus… aber viele dieser Blumen helfen uns nicht. Geranien zum Beispiel haben keinen Nektar und kaum Pollen. Sie sind hübsch für Menschen – aber für uns sind sie wie leere Teller.“ Die Kinder sahen sich erstaunt an. „Also kann eine Blume so tun, als wäre sie lecker – ist es aber nicht?“, fragte Sophie. Die Biene nickte.
Kurz darauf kicherte Sophie, weil ein Marienkäfer über ihre Hand tapste. „Der macht Purzelbäume!“ Der Marienkäfer sah empört aus. „Ich suche nur nach Futter. Aber hier gibt es nicht einmal Blattläuse. Alles ist so sauber… zu sauber.“ Die Kinder wurden nachdenklich.
Ihr Garten war schön – aber nicht lebendig. „Wir helfen euch“, sagte Tom entschlossen. „Wir machen den Garten wieder zu einem Zuhause“, ergänzte Lina.
Bei Oma und Opa holten sie Rat. Oma strahlte: „Für Bienen sind Lavendel, Sonnenblumen und Klee wunderbar. Wilde Kräuter wie Thymian mögen sie auch.“ Opa nickte. „Und Schmetterlinge lieben Flieder und Malven. Wichtig ist, dass es viele verschiedene Pflanzen gibt, damit immer etwas blüht.“ Die Kinder machten eifrig Notizen. Doch Opa fragte noch: „Habt ihr mit euren Eltern gesprochen? Schließlich gehört der Garten allen.“
Am Abend erzählten die Kinder alles: der müden Biene, dem hungrigen Marienkäfer und ihrem Plan, den Garten wieder lebendig zu machen. Max’ Eltern hörten aufmerksam zu. Schließlich lächelte seine Mutter. „Wenn ihr euch wirklich kümmert, könnt ihr einen Teil des Gartens neu gestalten.“
Die Kinder jubelten.
In den nächsten Wochen wurde gesät, gepflanzt, gebuddelt und geschraubt. Sie stellten ein Insektenhotel auf, ließen eine Ecke wild wachsen und pflanzten Blumen, die wirklich Nahrung boten – die Art Blumen, die Insekten willkommen heißen.
Und eines Tages, als die Sonne den Garten golden färbte, hörten sie es wieder. Ein Summen. Zuerst leise. Dann stärker. Dann warm und vertraut wie ein alter Freund. Bienen tanzten über dem Klee. Schmetterlinge schwebten über die Malven. Ein Marienkäfer saß satt und zufrieden auf einem Blatt. Max lächelte. „Das Summen ist zurück.“
Und endlich fühlte sich der Garten wieder wie ein Garten an – voller Leben.

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