Das Geheimnis der Asseln ohne Augen

Porcellio scaber „White Out“

In meinem neuen YouTube Video „Unboxing Terraristika Hamm | Asseln ohne Augen?“  konntet ihr meine neuste Farbmorphe bestaunen. Natürlich wollte ich der Sache etwas genauer auf den Zahn fühlen.

Alle die das Video noch nicht gesehen haben können das hier nachholen.

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Ich habe sie eingetauscht, da die Vorbesitzerin Probleme mit der Zucht dieser Morphe hatte. Sie hat mir berichtet, dass sie immer mal wieder die Farbvariante aus der normalen Zuchtbox in eine separate Box überführt. Leider hatte sie keinen Zuchterfolg in der Box, in welcher sich nur diese Farbmorphe befand. Auf den ersten Blick kann man bei dieser Assel keine Augen erkennen. Darum war ich ziemlich gespannt, ob sich das auch bei einer Makroaufnahme bewahrheitet und ich dann mit meinen alten Augen mehr erblicken kann.

Da Porcellio scaber generell sehr hektische Zeitgenossen sind und nur sehr schwer mit einem Makroobjektiv zu fotografieren sind, hielt Stefan die Assel fest und ich konnte ihn Ruhe das Objektiv fokussieren.

Porcellio scaber „White Out“
Porcellio scaber „White Out“
Porcellio scaber „White Out“

Links und rechts an den Kopfseiten befinden sich die beiden Facettenaugen (Komplexaugen). Die Komplexaugen der Insekten bestehen aus vielen Einzelaugen, den Ommatidien. Je wichtiger der Sehsinn ist, desto größer sind die Augen und desto mehr Ommatidien besitzen sie. Asseln sehen nicht so scharfe Bilder wie wir, aber sie können Bewegungen sehr viel besser wahrnehmen und entsprechend schnell reagieren.

Nach der Aufnahme wusste ich, warum ich zuerst dachte, es wären keine Augen vorhanden. Sie sind komplett weiß und somit fast nicht erkennbar. Weiße Augen bedeuten aber nicht, dass die Tiere kein Melanin produzieren. Sonst wären die Augen der Assel rot, da man aufgrund einer fehlenden Pigmentierung die roten Blutgefäße wahrnimmt.

Viel wahrscheinlicher ist es demnach, dass diese Farbmorphe nur weißes Melanin herstellen kann und sich das auch bei den weißen Augen widerspiegelt. Daraufhin recherchierte ich im Internet nach solchen Mutationen und fand einen interessanten Artikel über Thomas Hunt Morgan.

Er experimentierte jahrelang mit Drosophilas in seinem “Fliegenzimmer“. Drosophilas eignen sich ganz hervorragend zur Genforschung, da sie leicht zu züchten sind und die Generationenfolge sehr kurzweilig ist.

Zurück zu Thomas Hunt Morgan – Der Glückliche entdeckte eines Tages in einem seiner vielen Zuchtansätze eine Sensation: Eine Drosophila mit weißen Augen! Das war etwas ganz Besonderes, denn Drosophilas haben normalerweise rote Augen.

Er versuchte diese Mutation herauszuzüchten und fand dabei raus, dass die Mutation immer nur bei männlichen, niemals bei weiblichen Fliegen vorkam. Nach weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Gen der Augenfarbe auf den beiden Geschlechtschromosomen der Fruchtfliege liegt. Das heißt, die weiße Augenfarbe ist direkt gekoppelt mit dem Geschlecht der Tiere, in diesem Fall der männlichen Tiere. Somit war Thomas Hunt Morgan der erste Mensch, der ein Gen einem bestimmten Chromosom zuordnen konnte. Dafür wurde ihm 1933 der Nobelpreis verliehen.

Herzlichen Glückwunsch nachträglich von mir.

(Quelle: books.google.de)

Ließe sich das auch auf Asseln übertragen, wäre mir klar, warum die Vorbesitzerin Probleme mit der Zucht hatte. Mit ausschließlich männlichen Tieren führen selbst die besten Haltungsbedingungen zu keinem Zuchterfolg

Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass Thomas Hunt Morgan mit wildfarbenen Tieren mit weißen Augen gearbeitet hat und nicht mit komplett weißen Tieren wie in unserem Fall. Daher bleibt die Spannung bei mir weiterhin hoch, ob es sich bei den Asseln auch tatsächlich ausschließlich um männliche Tiere handelt. Sollte dies der Fall sein, müsste ich wildfarbene weibliche Porcellio scaber in die Gruppe setzen und die Nachzuchten wieder miteinander kreuzen, damit diese Morphart nicht ausstirbt. Da sich meine „Asselbude“ eine Autostunde weit weg von meinem Wohnort befindet und ich nach der Arbeit zeitlich sehr eingespannt bin, muss ich leider bis zum Wochenende damit warten.

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Hier geht es zum nächsten Teil:

Das Geheimnis der Asseln ohne Augen- Teil 2

Es sind ein paar Monate vergangen, seit ich die komplett weißen Asseln bekommen habe. Ich [...]

1 Kommentar

5 Meinungen zu “Das Geheimnis der Asseln ohne Augen

  1. Fenja Jahn sagt:

    Interessanter Artikel. Folgendes macht mich stutzig:

    >>Viel wahrscheinlicher ist es demnach, dass diese Farbmorphe nur weißes Melanin herstellen kann <>Sonst wären die Augen der Assel rot, da man aufgrund einer fehlenden Pigmentierung die roten Blutgefäße wahrnimmt.<<
    -Haben Asseln überhaupt rotes Blut? Ich möchte jetzt wirklich keine meiner Asseln opfern um nachzusehen, aber in der Vergangenheit, als ich traurigerweise Aseln erlösen mußte, ist mir da nichts rotes aufgefallen. Ich kann auch nichts im Internet finden, das irgendwie darauf hindeutet, dass Asseln rotes Blut hätten. Haben sie wirklich rotes Blut?

    Würde mich sehr über eine Antwort freuen,
    MfG,
    Fenja

    • Frank sagt:

      Chapeau! Genau diese Frage diskutierte ich gestern mit einer Biologin. Krebse haben ja eigentlich blaues Blut, daher müssten die Augen eher bläulich sein. Ich werde diese Frage weiter auf den Grund gehen, da sie mich auch nicht mehr loslässt.
      Danke für Dein Feedback!

  2. Jana sagt:

    Hallo,
    ich bin über deine Youtubevideos über Asseln auf deine interessante Seite gekommen. Vielen Dank für die informativen Videos zu diesen wirklich faszinierenden Tieren! Ich hatte ein paar Jahre lang welche als Putztrupp im Terrarium, wo sie Schneckenkot und Futterreste aufgeräumt haben und sich super beobachten ließen. Montenegros haben sich in den Schneckenbecken leider nicht gehalten, wohl aber die Porcellionides pruinosus.
    Deine weiße-Augen-Schilderung und die Bilder erinnern mich an meine Körperalbinos der Achatina fulica: auch diese haben reinweiße Körper (im Alter und bei viel rötlichem Futter gelb angehaucht) und die Augenpunkte sind nicht gefärbt. Schneckenatmung läuft nicht wie bei uns mit Hämoglobin, sondern mit Hämocyanin, bei dem der Job der Eisenmoleküle durch Kupfermoleküle übernommen wird. Ihr Blut ist je nach Sauerstoffsättigung farblos bis bläulich. Wobei das Bläuliche erst bei größeren Tieren zu erkennen ist. Unter 3-4cm sehen Jungschnecken nur weiß/farblos aus. Im Gegensatz dazu erkennt man schon beim Regenwurmbaby im Kokon im Durchlicht die roten Adern, Hämoglobin scheint also sehr viel farbstärker zu sein als Hämocyanin.
    Da auch Babyasseln oder frisch gehäutete Garnelen und Krebse farblos und nicht rosa sind, liegt der Verdacht mMn nahe, dass Asselblut ebenfalls nicht mit Hämoglobin funktioniert. Die Internetsuche nach “Hämocyanin” liefert dazu eine Menge interessante Seiten. 🙂
    Viele Grüße

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