Lumo und der schrecklichste Pilz der Welt
Lumo und der schrecklichste Pilz der Welt

Lumo und die Schnecke, die wie ein Pilz aussah

Lumo war eine Springspinne.

Und Springspinnen konnten hervorragend springen.

Lumo fand sogar, dass er der beste Springer im ganzen Wunderwald war.

Ob das stimmte?

Nun ja.

Lumo fand viele Dinge über sich.

An diesem Morgen sprang er von einem Grashalm auf einen Stein.

Vom Stein auf einen Ast.

Vom Ast auf ein Blatt.

Und vom Blatt auf einen Pilz.

Zumindest glaubte er das.

Denn plötzlich sagte der Pilz:

„Aua!“

Lumo sprang so hoch in die Luft, dass er fast vom Blatt fiel.

„Der Pilz kann reden!“

„Natürlich kann ich reden.“

„PILZE KÖNNEN REDEN?!“

„Ich bin kein Pilz.“

Lumo blinzelte.

Der Pilz bewegte sich.

Langsam schob er zwei Fühler hervor.

Dann noch zwei Augen.

Und schließlich einen ganzen Körper.

„Oh.“

Lumo räusperte sich.

„Du bist gar kein Pilz.“

„Nein.“

„Du bist eine Schnecke.“

„Richtig.“

„Warum siehst du aus wie ein Pilz?“

„Warum siehst du aus wie eine Spinne?“

Lumo dachte kurz nach.

„Weil ich eine bin.“

Die Schnecke nickte.

„Ich heiße Bruno.“

„Ich heiße Lumo.“

„Freut mich.“

„Mich auch.“

Dann schwiegen beide.

Eine Sekunde.

Zwei Sekunden.

Drei Sekunden.

„Und jetzt?“, fragte Lumo.

„Keine Ahnung.“

„Wollen wir etwas Spannendes machen?“

„Klar.“

„Was denn?“

Bruno dachte nach.

Sehr lange.

So lange, dass Lumo in der Zwischenzeit drei Pilze beobachtete, einen Grashalm hochkletterte und wieder herunterkam.

„Mir fällt nichts ein“, sagte Bruno schließlich.

„Mir auch nicht.“

Wieder schwiegen sie.

Da hörten sie plötzlich ein lautes Krachen.

KRACK!

Lumo sprang hinter einen Stein.

Bruno versteckte sich ebenfalls.

Was bei einer Schnecke bedeutete, dass er den Kopf einzog.

„Was war das?“, flüsterte Lumo.

„Ein Monster.“

„Woher weißt du das?“

„Weil es immer ein Monster ist.“

KRACK!

Das Geräusch kam näher.

Lumo schluckte.

„Vielleicht sollten wir weglaufen.“

„Einverstanden.“

„Dann lauf!“

„Ich bin eine Schnecke.“

„Stimmt.“

Das Geräusch kam noch näher.

Und noch näher.

Lumo kniff die Augen zusammen.

Zwischen den Farnen bewegte sich etwas Riesiges.

Etwas Dunkles.

Etwas Unheimliches.

Ein Schatten fiel über die beiden.

Lumo hielt den Atem an.

Bruno hielt ebenfalls den Atem an.

Dann trat das Monster aus dem Gebüsch.

Es war …

ein Hirschkäfer.

Ein ziemlich kleiner Hirschkäfer.

Er schleppte einen Apfel hinter sich her.

„Hallo“, sagte der Käfer freundlich.

KRACK!

Der Apfel blieb an einer Wurzel hängen.

„Oh.“

Der Käfer zog erneut.

KRACK!

„Entschuldigung“, sagte er.

„War ich zu laut?“

Lumo starrte ihn an.

Bruno starrte ihn an.

Der Käfer starrte zurück.

„Ihr seht aus, als hättet ihr ein Monster erwartet.“

Lumo zeigte auf Bruno.

„Das war seine Idee.“

„War es nicht.“

„War es wohl.“

Der Käfer lachte.

Bruno lachte.

Nach einer Weile musste sogar Lumo lachen.

Und als die Sonne langsam hinter den hohen Farnen verschwand, machte sich Lumo auf den Heimweg.

Heute hatte er etwas Wichtiges gelernt.

Es gibt keine Monster.

Nicht jeder Pilz ist ein Pilz.

Und manchmal wartet dort, wo man etwas ganz anderes sucht, eine schöne Überraschung.

Heute hatte Lumo keinen Pilz gefunden.

Aber einen Freund.

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