Das Futter spielt bei der Gesunderhaltung unserer Tiere eine wichtige Rolle. Bei uns Menschen ist die Abwechslung bei der Zusammenstellung sehr wichtig. Aber wie sieht das bei unseren Insekten aus? Selbstverständlich haben sie sich im laufe der Zeit auf verschiedene Futterinsekten spezialisiert und angepasst. Dies gilt auch bei unseren, in Gefangenschaft gehaltene Tiere zu berücksichtigen.

 

 

Die grösste Rolle der Futtertiere spielt aber meiner Meinung nach oft eine ganz andere:

 

  • schnell nachzuzüchten
  • leicht zu halten
  • Geruchsarm
  • preiswert
  • Geräuscharm

 

Die angebotenen Futterinsekten hängen stark vom Entwicklungsstadium der Gottesanbeterin ab. Nicht alle Insekten durchlaufen Entwicklungsstadien, die der Größe aller unterschiedlichen Larvenstadien der Gottesanbeterinnen entsprechen. Daher weiche ich auf unterschiedliche Futtertierarten aus, die eigentlich ausschliesslich der Grösse der Mantide gewidmet ist.

Ein weiterer Punkt den man nicht aus dem Blickfeld verlieren sollte ist der Nährwert der Futtertiere. Die meisten von euch werden wissen, dass Mehlwürmer eine richtige „Kalorienbombe“ sind. Dabei ist sogar in den getrockneten Würmern der Anteil an Fett mit 25-30 Prozent noch ziemlich hoch. Im Lebendfutter erreicht der Fettgehalt sein Maximum. Was früher in den Wintermonaten das Alleinfutter darstellte, da keine anderen Futtertiere vorhanden waren, ist heute eher der seltene Leckerbissen oder das Notfutter.

Aber wie sieht es mit den anderen Futtertiere aus? Sind Zophobas gehaltvoller als Schaben? Ich habe mir mal eine Liste zusammengestellt, die man als Anhaltspunkt nehmen kann. Leider lassen sich nicht alle Futtertiere recherchieren, aber ich werde immer wieder neue Angaben einpflegen.

Selbstverständlich setze ich auch diese Liste in Relation mit den oben aufgezählten Punkten.

Rückschlüsse aus der Tabelle

 

 

Tenebrio molitor- Mehlkäferlarve, Mehlwurmpuppe, Mehlkäfer

„Das für den Liebhaber unentbehrlichste Futtertier ist wohl die unter dem Namen Mehlwurm bekannte gelbe und glatte Larve des schwarzen Mehlkäfers, die von den meisten Tieren leidenschaftlich gern gefressen wird.“

Zitat aus dem „Der Terrarien-Freund“ aus dem Jahre 1927

Das zeigt uns heute vortrefflich, wie wenig man sich damals um die Nährwerte Gedanken machte und wie wenig Alternativen es gab. Auch heute noch ist der Mehlwurm leicht erhältlich und simpel zu züchten. Daher habe auch ich welche in Zucht und biete sie auch einmal im Monat meinen Tieren an. Anhand der Nährwerttabelle bietet er einen guten Kontrast zu den Drosophilas, als Magnesium-Lieferant.

 

Mein Fazit: Futtertier für den Notfall

Drosophila melanogaster / Drosophila hydei- Kleine / Große Fruchtfliege

Die Fruchtfliege stellt alle in der Futtertier-Nährwerttabelle aufgelisteten Futtertiere in den Schatten!

Sie hat die höchsten Proteinwerte, den niedrigsten Fettgehalt, und ist bei allen Mineralstoffen, mit Ausnahme vom Magnesium, an der Spitze. Wirkt man da entgegen und bestäubt die Drosophilas ab und an mit Korvimin ZVT, oder einem ähnlichem Vitaminpräparat, hat man das optimale Futtertier für die Aufzucht unserer jungen Mantiden. 

 

Mein Fazit: Wertvolles Futtertier!

Acheta domesticus- Heimchen

Wenn man sich strikt nach der Futtertier-Nährwerttabelle richtet, wäre das Heimchen das beste Folgefutter nach den Drosophilas. Auch die Körperlänge von 2,3 bis 20 Millimeter wäre eine perfekte Grösse, um unsere Wirbellose über viele Larvenstadien zu begleiten. Ich spreche im Konjunktiv, da ich euch dieses Futtertier nicht empfehlen kann. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • sie fressen eure Tiere an (während der Häutung)
  • sie zirpen laut und stundenlang
  • sie fressen sich durch Rückwände
  • sie vermehren sich im Terrarium
  • sie vermehren sich in der Wohnung

 

Mein Fazit: Gehaltvoll aber zu viele Nachteile!

Blatta lateralis- Schokoschabe

Schaben haben einen fast so hohen Fettgehalt wie Mehlwürmer!

Positiv fällt auf, dass der Anteile von Ballaststoffen relativ hoch ist und der Kalzium-Wert den Spitzenplatz belegt. Viele füttern ihren Tieren Schokoschaben, da die Zucht unglaublich produktiv und einfach ist. Der Nachteil liegt anhand der Vorteile auf der Hand.

Hier ein kleiner Auszug aus einem Forum:

 

Super Futtertier, vermehrte sich ohne viel Aufwand enorm.
Konnte kistenweise Schaben abgeben. Hatte aber immer ein ungutes Gefühl.
Als ich dann aber einzelne Schaben freilaufend im Zimmer fand, wurde es mir zu heiß. Also alle weg. Im Terrarium tauchte ab und an mal eine auf und wurde von mir gekillt.
Dann sind wir umgezogen.
Terrarien ausgeräumt / abgebaut und die letzten Schaben entsorgt (ca. halbes Jahr nach dem abschaffen der Schaben).
Leere Wohnung inspiziert aber zum Glück keine mehr gefunden.
Im neuen Haus Terrarien neu eingeräumt und Gut.

Halbes Jahr später:
Blumen müssen umgetopft werden. Erster Topf angehoben, SCHOCK!!
Mehrere Schaben grinsen mich an. Die Jagt beginnt. Nach mehreren Aktionen hab ich dann wohl alle erwischt.
Ist jetzt 3 Jahre her.
Also mir kommen keine Schokoschaben mehr ins Haus.

 

Mein Fazit: Einfach nur NEIN!

 

Blaptica dubia- Argentinische Waldschabe

Der Nachteil, der gleichzeitig ein Vorteil der Argentinischen Waldschabe ist der hohe Wärmebedarf, die hohe Luftfeuchtigkeit und die langen Entwicklungszeiten. Dadurch besteht keine Gefahr der unkontrollierten Vermehrung in den eigenen vier Wände.

Sie zirpt nicht, springt nicht, kann keine glatten Wände wie Plastik oder Glas hochkrabbeln und ist deswegen leicht zu hältern. Sie stinkt nicht, bewegt sich relativ langsam und ist sehr anspruchlos in der Ernährung. Argentinische Waldschaben bringen gemessen am Anteil unverdaulichen Chitins – eine Portion Protein mit und stellen somit eine nahrhafte Beute mit relativ weichem Körper dar. Nicht ausser Acht zu lassen ist auch dort der relativ hohe Fettanteil.

 

Mein Fazit: Nicht als Alleinfutter geeignet!

 

Galleria mellonella- Wachsmotten

Der größte Vorteil ist, dass es eine der wenigen Futtertierzuchten ist die sehr gut riecht. Anhand der Fettwerte kann man sich vorstellen wie ungesund die dauerhafte Verfütterung von Wachsmotten sein muss. Ich gebe Weibchen nach einer Oothek-Ablage gerne eine Larve als Aufbaufutter. Da ich leicht an Bienenwaben komme, ist die Zucht wirklich fast ein Selbstläufer. Extra kaufen würde ich sie mir allerdings anhand dieser Nährwerte nicht, zumal sie nicht gerade günstig sind.

 

Mein Fazit: Für Menschen, die Imker als Freunde haben!

 

Zophobas morio-  Große Schwarzkäferlarve

Im Bereich der Terraristik sind Zophobas als Futtertiere sehr stark gefragt, dem hohen Fettgehalt zum Trotz. Sie sind einfach zu züchten und daher auch günstig erhältlich. Die Werte in der Nährwerttabelle sprechen eine eindeutige Sprache über die man nicht hinwegreden kann und auch nicht sollte. Auch hier sei gesagt, in seltenen Ausnahmefälle als Notfutter, wenn alles andere gerade nicht verfügbar ist kann man darauf zurückgreifen.

 

Mein Fazit: Für große Mantiden als Notfutter!

 

Nicht gelistete Futtertiere

Hermetia illucens- Soldatenfliege

Anders als Mehlwürmer, Zophobas, Rosenkäferlarven und andere Larvenarten dürfen die Larven der Soldatenfliege oft gefüttert werden. Durch ihr ausgezeichnetes Verhältnis von Kalzium zu Phospor stellen sie ein höchstinteressantes Futter für unsere Pfleglinge dar.

 

Mein Fazit: Hervorragendes Futtertier!

 

Schistocerca gregaria- Wüstenheuschrecke

Auch bei dem Füttern von Heuschrecken gilt, nicht verzehrte Tiere nach Möglichkeit wieder aus dem Terrarium zu nehmen, da die Heuschrecken unsere Tiere während der Häutung anfressen können.

 

Mein Fazit: Nur von der Pinzette verfüttern!

 

Trichorhina tomentosa- Weisse Asseln

Von den bekannten Werten sind die Asseln tolle Kalzium-Lieferanten. Die Eigenschaft als Bodenpolizei ist bekannt, daher werden sie gerne in das Terrarium gegeben. Ich mache das bei Mantiden allerdings nicht, da ganz allgemein über alle Asseln-Arten gesprochen, Asseln sich an Ootheken vergreifen und diese anfressen können und dies auch gerne machen. Sie kommen Nachts raus und klettern auch die Zweige hoch um an die Oothek zu kommen.

 

Mein Fazit: Nur an männliche Mantiden verfüttern!

 

Lucilia sericata- Goldfliege

Die Maden sind sehr protein- und fetthaltig, weshalb man sie nur selten und in kleinen Mengen verfüttern sollte. Fliegen haben einen eher niedrigen Nährwert, weshalb man sie mit entsprechendem Futter vor dem Verfüttern aufwerten sollte.

Wie ihr das machen könnt seht ihr hier:

 

Für mich kommen Fliegen, als nektarsuchende Insekten, dem natürlichem Beuteschema einer Gottesanbeterin am nächsten. Daher verwende ich ab der entsprechenden Grösse der Mantide, Fliegen als Hauptfuttertier.

 

Mein Fazit: Ich verwende Fliegen als Hauptfutter! 

 

 

Begriffserklärungen aus der Tabelle

 

 Protein:

Der Organismus besitzt keinen Speicher für Eiweiß. Daher müssen unsere Haustiere Eiweiß täglich über eiweißhaltige Lebensmittel aufnehmen. Nehmen Sie zu wenig Eiweiß auf, greift Ihr Körper auf die Muskulatur zurück. Hoch = Gut

 

Fett:

Ohne Fett gäbe es keine intakten Zellmembranen, daher ist Fett wichtig. Allerdings ist zuviel schlecht für den Organismus, denn auch Insekten können fett werden! Es gibt eine wissenschaftliche Arbeit über obese (fettleibige) Moskitos. Auch wurden bei Fruchtfliegen das fettmobilisierende Hormon weggezüchtet, dadurch nahm die Anzahl des Nachwuchses ab und die Lebensdauer der Tiere. Niedrig = Gut

 

Rohasche:

Zur Ermittlung des Rohaschegehaltes wird die Probe auf 550 °C erhitzt. Dadurch werden alle organischen Bestandteile verbrannt und der Rückstand ist der Gehalt an Rohasche. Der Rohaschegehalt entspricht dem Mineralstoffgehalt, wenn keine weiteren Verunreinigungen durch Sand oder Erde vorliegen. Hoch = Gut

 

Faser:

Rohfaser oder Ballaststoffe regen die Verdauung an und beugen Verstopfungen vor. Ballaststoffe stillen den Hunger, ohne dem Körper Kalorien zu liefern. Hoch = Gut

 

Ca:

Kalzium ist einer der wichtigsten Nahrungsbausteine unserer Pfleglinge. Das Exoskelett (Außenskelett) ist eine Stützstruktur für den Organismus, die eine stabile äußere Hülle um diesen bildet. Ohne ausreichend Kalzium kommt es hier zu Mangelerscheinungen. Hoch = Gut

 

P:

Phosphor ist ein wichtiger Mineralstoff, der auch für den Aufbau des Exoskelettes wichtig ist. Hoch = Gut                                                                                                                                       

 

Mg:

Magnesium wirkt entzündungshemmend und ist an der körpereigenen Eiweissproduktion und damit am Muskelaufbau beteiligt. Hoch = Gut

 

Na:

Natrium kommt im Körper als positiv geladenes Teilchen vor – vor allem außerhalb der Zellen. Es trägt zum Aufbau der elektrischen Spannung an den Zellmembranen bei und ist daher für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, den Herzrhythmus, aber auch die Muskelarbeit wichtig. Hoch = Gut

 

K:

Kalium kommt in den Körperzellen vor und spielt eine wichtige Rolle für den Elektrolythaushalt der Zellen. Es ist für die Entstehung von Nervenimpulsen und deren Übertragung innerhalb des Nervensystems, an die Muskelfasern und an das Herz zuständig. Hoch = Gut

 

Trockenmasse:

Die Trockenmasse oder Trockensubstanz  ist jener Bestandteil einer Substanz, der nach Abzug der Masse des enthaltenen Wassers übrig bleibt. Also je Höher die Trockenmasse desto weniger Feuchtigkeit ist im Futter enthalten. Neutral

 

Kcal:

Je mehr Kilokalorien ein Nahrungsmittel enthält, desto mehr Energie liefert es. Neutral