Geschlechtsbestimmung einer Gottesanbeterin

Welchen Namen gebe ich meiner Mantide? Julia oder Julian? Dazu sollte man erstmal wissen welches Geschlecht das Tier hat.

Ich denke es ist nicht nur für die Namensfindung interessant zu wissen welches Geschlecht eure Gottesanbeterin hat. Alle die Vorhaben mit ihren Mantiden zu züchten, sollten schon wissen ob man auch die nötigen Zutaten dafür hat.

Die Vermehrung findet bei Gottesanbeterinnen sexuell statt. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, welche sich über Parthenogenese (Jungfernzeugung), fortpflanzen können. Wie wir das von manchen Phasmidenarten kennen, schlüpfen daraus jedoch ausschließlich weibliche Larven. Daher weisen fast alle Mantidenarten einen Geschlechtsdimorphismus (geschlechtsspezifische Unterscheidungen) auf.

Selbstverständlich könnte man auch einfach abwarten bis zur Geschlechtsreife und dann mal schauen was rauskommt. Allerdings ist es bei vielen Mantidenarten so, dass die männlichen Tiere 2-3 Häutungen vor dem Weibchen geschlechtsreif werden. Es ist ja nicht nur die unterschiedliche Reifezeit bis zur Adulthäutung, sondern die Weibchen brauchen dann im Anschluss noch zusätzlich länger bis sie paarungsbereit sind. Somit ist es von Vorteil, wenn man frühzeitig die Geschlechtsunterschiede erkennt, um die männlichen Mantiden bei der Temperaturuntergrenzen und die weiblichen Gottesanbeterinnen an der Obergrenze zu halten um diese zeitliche Verschiebung wieder auszugleichen. Allerdings achtet bitte darauf nicht zu häufig Männchen und Weibchen der gleichen Elterntiere untereinander zu verpaaren, um das Risiko von Gendefekte zu vermeiden.

Geschlechtsbestimmung bei adulten Gottesanbeterinnen

Auch bei adulten Gottesanbeterinnen muss man erstmal die Geschlechtsunterschiede wissen und erkennen. Da die männlichen Mantiden schneller adult werden und auch weniger Häutungen benötigen haben wir einen ersten Anhaltspunkt, die Größe. Weibliche Mantiden werden in der Regel größer und kräftiger. Das Gesamtbild der männlichen Vertreter ist eher klein und dünn im Vergleich.

Die sichtbare Segmentzahl am Abdomen beträgt bei Männchen 8 und bei Weibchen lediglich 6.

Die Flügel der Männchen ragen weit über das Abdomen hinaus und durch die Flügelgröße und auch der Körperform sind die meisten gute und wendige Flieger. Bei den Weibchen enden die Flügel zu meist an der Abdomenspitze. Wenn sie es überhaupt versuchen zu fliegen dann gleicht es eher einem Sturzflug als einer Fortbewegung.

Die Antennen der männlichen Mantiden sind länger und manchmal auch verdickt. In den Antennen oder Fühler befinden sich Sinneszellen. Dadurch können die Männchen besser mechanische Reize (fühlen) und chemische Reize (riechen) aufnehmen. Sobald ein Männchen die Pheromone über seine Antennen aufnimmt und selbst auch geschlechtsreif ist, wird es der Duftspur folgen. Auf diese Weise finden die umherziehenden Männchen die meist relativ fortbewegungsträgen Weibchen auch über weite Strecken hinweg.

Geschlechtsbestimmung bei juvenilen Gottesanbeterinnen

Logisch betrachtet könnte man jetzt annehmen, wenn die Männchen schneller adult werden dann wachsen sie auch schneller und das könnte ein Indiz sein. Allerdings sind die Häutungsabstände bei gleichen Parametern annähernd gleich. Die Männchen häuten sich aber 2-3 mal weniger als die Weibchen und legen bei den Häutungen ab L3-L4 auch nicht so viel an Größe zu.

Bei allen Mantidenarten lassen sich die Männchen von den Weibchen durch die Anzahl der sichtbaren Sternite (Bauchsegmente) unterscheiden. Ein geübtes Auge kann mit oder ohne Lupe ab L3 anhand der Segmente unterscheiden. Das sicherste ist immer die Subgenitalplatte. Die Subgenitalplatte ist übersetzt die Platte unterhalb der Genitalien. Ein großes Segment an der Spitze ist immer ein Weibchen, zwei kleinere Segmente an der Spitze ein Männchen. Zu Beginn fällt einem das schwer und man erkennt keinen Unterschied. Es hilft einem oft, die Abdomenunterseite zu fotografieren und sich die Platte zu vergrößern. Nach den ersten Erfahrungen bekommt man langsam aber sicher einen Blick dafür und benötigt recht schnell keine Vergrößerung mehr.

Geschlechtsbestimmung bei artspezifischen Gottesanbeterinnen

Zusätzliche Geschlechtsmerkmale bei Hymenopus coronatus:

Bei den Orchideenmantis hat man mehrere zusätzliche Möglichkeiten das Geschlecht zu erkennen. Als erstes kann man anhand der Farbe des Nackenbandes das Geschlecht erkennen. Ein braunes Nackenband spricht für ein Männchen und ein grünes für ein Weibchen. Die Färbung bei den Männchen kann zwar mal leicht ins grünliche gehen, wird aber nie so grün wie bei Weibchen. Allerdings ist das auch nicht in den früheren Larvenstadien zu erkennen, zumindest nur schlecht. Und wenn es soweit ist, kann man ebenso gut nach anderen Merkmalen unterscheiden wie Abdomen, Körpergröße und Loben.

Die weiblichen H. coronatus besitzen große, blattförmige Loben das man als weiteres Indiz zur Geschlechtsbestimmung heranziehen kann.

Das Abdomen der männlichen Orchideenmantis ist oval und hat 6 Segmente und das weibliche Abdomen hat eine runde Form und 5 Sternite.

Zusätzliche Geschlechtsmerkmale bei Blepharopsis mendica, Idolomantis diabolica, Gongylodes gongylodes:

Die Männchen besitzen verdickte Antennen im subadulten und adulten Stadium.

Zusätzliche Geschlechtsmerkmale bei Idolomantis diabolica, Gongylus gongylodes, Blepharopsis mendica und Pseudocreobotra wahlbergii:

Ab L3 haben männliche Mantiden einen zusätzlichen Stachel am Abdomen.

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